Das Ilio-Sakral-Gelenk (ISG): Von ISG-Blockaden, zermürbenden Rückenschmerzen und Schuheinlagen

In erster Linie ist stets ein Arzt, vorzugsweise ein Orthopäde oder Neurochirurg, zur Abklärung zu konsultieren. Ich arbeite hierfür mit den besten Ärzten Wiens zusammen. Sehr gerne vermittle ich Sie an diese weiter. Nach deren Trainings-Freigabe können wir direkt losstarten. 

"Der folgende Artikel basiert auf meinen eigenen Erfahrungen. Im Zweifelsfall also bitte nicht weiterlesen."  :)

Wie Sie das schon von mir gewohnt sind, werde ich meine persönliche Erfahrung mit Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfällen und eben auch mit ISG-Blockaden in den Mittelpunkt des Artikels stellen. Die Techniker unter Ihnen wird mein technisch-mechanischer Zugang erfreuen. Für all jene unter Ihnen, für die es schon ein wenig mehr sein darf, interessiert vielleicht der Einfluss der Hirnforschung, der Neuroplastizität und anderer neurowissenschaftlicher Erkenntnisse.

Nun denn…

Der Name:

Zu Deutsch heißt dieses Gelenk Kreuzbein-Darmbein-Gelenk. Das Ganze im medizinisch gebräuchlichen Latein ergibt dann eben ein SIG oder ISG. SIJ in der englischen Version.

Wurde ihm doch jahrelang, aufgrund der geringen Beweglichkeit, der vollwertige Gelenksstatus aberkannt, hat es sich im 21. Jahrhundert nun doch an die Spitze der in Studien untersuchten „echten Gelenke“ gekämpft.

Man sehe ihm den Ehrgeiz und die vielen Leidenden unter uns nach, es musste sich eben Gehör verschaffen.

 

ISG: Was zeichnet es aus?

Ja, darüber wird man wohl noch lange schreiben. Inzwischen traut man ihm sogar das Auslösen von Herzrhythmus-Störungen und Probleme mit dem Schwangerwerden zu. Aber darüber später mehr.

Als Maschinenbau-Ingenieur habe ich natürlich auch die Technik-Brille immer mit dabei. Aus mechanischer/physikalischer Sicht ist dieses Gelenk das höchstbelastete aller unserer Gelenke. Der gesamte Oberkörper stützt sich, wenn Sie so wollen, vom ersten Halswirbel bis zum Steißbein auf unserer Wirbelsäule ab. Unsere Beine treffen im Hüftgelenk auf unser Becken. Somit wird die gesamte Bewegungs-Energie im Zusammentreffen von Füßen mit dem Erdboden (beim Laufen, Springen, Gehen, etc.) über die Beine an das Becken weitergegeben. Sie wissen schon, worauf das hinausläuft…

Es gibt nur einen einzigen – genau genommen auf jeder Körperhälfte einen – Schnittpunkt zwischen Ober- und Unterkörper. Richtig geraten, das ISG- Gelenk/die ISG Gelenke. Der Schnittpunkt müsste korrekt als Schnittlinie/Schnittfläche bezeichnet werden, da die Gelenkflächen nicht punktförmig aufeinander treffen.

In der folgenden Abbildung ist das Becken farblich von der Wirbelsäule getrennt. Wo Grau und Rot aufeinandertrifft, liegt das ISG bzw. die beiden ISGs.

 ISG-Gelenke, ISG-Blockaden, Rückenschmerzen

ISG-Gelenke, ISG-Blockaden, Rückenschmerzen

 

Somit ist es auch für Technik-Laien nachvollziehbar, dass es an diesen beiden Kontaktflächen, den ISG-Gelenken, zu äußerst hohen statischen und dynamischen Belastungen kommt. Tagtäglich.

Nicht weiter verwunderlich, dass es hier bei 99% der Menschen irgendwann zu Problemen kommt. Wäre aber auch nett gewesen, wenn man uns auf diesen Umstand irgendwann im Turnunterricht oder bei anderen sportlichen Aktivitäten hingewiesen hätte. Dann hätten wir wenigstens ab und an unser wichtigstes Gelenk mit Aufmerksamkeit für seine Schwerstarbeit belohnt und nicht erst in diesem Blog-Artikel darüber gelesen. Womöglich jetzt in bescheidener Pose und mit schmerzverzerrtem Gesicht.

 

Was tut es?

Schmerzen zum Beispiel.

Die eigentliche Aufgabe ist aber das Ausgleichen von Spannungen. Vereinfacht kann man sich vorstellen, dass bei jedem Schritt, den wir tun, immer ein Fuß zuerst den Boden berührt. Daraus resultiert eine permanent einseitige Gewichtsübertragung vom Fuß über das Bein in das Becken und somit in das ISG. Diese einseitige Belastung wird über komplexe musculo-skeletale Verbindungen mithilfe der ISG’s kompensiert. Durch die ISG’s kann das Kreuzbein zwischen den beiden Darmbeinen quasi frei schwingen. Solange das System eben nicht gestört wird…

 

Ursachen für Blockaden:

Sind zahlreich.

Eine vollständige Liste wird es wohl nie geben.

In meinem Fall genügte manchmal ein unvorsichtiger Schritt von der Gehsteigkante, eine zu schnelle/zu weite Rotation beim Sport oder einfach nur schlechter Schlaf. Schlechter Schlaf soll dafür verantwortlich sein? Blödsinn, oder?

Naja nicht ganz. Die ISG-Blockade hängt immer mit dem Spannungszustand der umliegenden Muskulatur zusammen. Hat unsere Muskulatur zu viel Stress  = Spannung verkrampft sie regelrecht. Dadurch kann sich, vereinfacht gesagt, der Gelenkspalt einseitig/beidseitig verringern und zu Blockaden führen. Wie diese Spannung in die Muskulatur kommt, ist dem ISG ziemlich schnuppe. Wenn es eng wird, beginnt es sich zu melden. Und das mitunter lautstark.

Unsere Muskulatur wird unter anderem auch vom vegetativen Nervensystem beeinflusst. Diese Verbindung ist sicher bi-direktional zu sehen, weswegen hier nicht selten das Henne-Ei-Paradigma bemüht wird.

Fach-Chinesisch könnt man das so beschreiben: 

Bei Stress kommt es sehr schnell zu einer Regulationsstörung im Sonnengeflecht, dem sogenannten Solar Plexus, einem wichtigen vegetativen Nervenzentrum im Oberbauch, mit anhaltendem Sympathikotonus (Leistungs- bzw. Stressmodus) und insuffizientem Parasympathikus (Entspannungs- und Regenerationsmodus). 
Die erste Reaktion des Bewegungsapparates auf Stress ist eine asymmetrische Verspannung der in der Nähe des Sonnengeflechts entspringenden Rücken- und Hüftmuskulatur, eine Beckenverwringung folgt. Diese ist immer verbunden mit ISG-Blockaden. 

Kurz:

Stress führt zu Muskelverspannungen. Und diese nicht selten zu ISG-Blockaden und Rückenschmerzen. Kortisol sollte an dieser Stelle auch erstmals erwähnt werden.

 

Wie zeigen sich die Schmerzen?

90% der Rückenschmerzen sind unspezifisch. Nicht zuordenbar. Ursache unbekannt. Fast noch belastender wie eine eindeutige Diagnose. Bis es soweit ist, behaupten wir zulande ja sogar, wir hätten lieber eine niederschmetternde Diagnose als uns noch länger mit „unbekannten“ vielleicht sogar als „eingebildet“ bezeichneten Schmerzen kämpfen zu müssen. Noch schlimmer die Diagnose „psychosomatisch“…also damit wollen wir ja nun wirklich nichts zu tun haben. 100 000 Jahre kognitive Revolution, und da soll ich mich noch mit meiner Psyche beschäftigen?! Ich bin doch schon die Krone der Schöpfung! Sollten Sie ähnliche Sätze tatsächlich denken, würde ich Ihnen gleich den Weg zum Shiatsu-Therapeuten oder ähnlichen Könnern empfehlen. *KopfgreifÄffchen*  

Das ISG ist sodann auch ihr kleinstes Problem. Weiter machen, bald wird’s krachen. ;)

Weiter im Text:

Das ISG selbst trägt auch nicht gerade zur Klarheit bei. Eine seiner vielen Eigenheiten ist die Fähigkeit, sogenannte pseudo-radikuläre Schmerzen auslösen zu können. Ausstrahlende Schmerzen ins Bein, wie man Sie eigentlich nur einem Bandscheiben-Vorfall zuordnen würde, sind also unter Umständen einer ISG-Blockade geschuldet. Nicht zuletzt daher, sollten Sie mindestens zwei Meinungen einholen, bevor Sie einer Bandscheiben-OP zustimmen, die dann leider keinen Erfolg bringt, weil man der falschen Struktur, der Bandscheibe, den schwarzen Peter zugeschoben hat. Die Studienlage über nicht kausale Zusammenhänge zwischen MRT-Bildern und Schmerzbild ist durchaus mannigfaltig. Wer nichts weiß, muss alles glauben…

 

War das jetzt alles?

Nein, das ISG kann noch viel mehr. Durch Faszienzüge und deren Wechselwirkungen (die Forschung steht hier noch am Anfang), kann ein blockiertes ISG auch für folgende Unannehmlichkeiten verantwortlich sein:

Fußfehlstellungen

Kieferprobleme

Tinitus

Migräne

Herzkreislauf-Probleme (kardiovaskulär)

Magen/Darm-Probleme

Verringerte Libido

Etc.

Kieferprobleme, Libido? Also wirklich jetzt…kann ich nicht einfach eine Spritze haben? Doch natürlich, Sie sind dann nur auf der falschen Website bzw. beim falschen Therapeuten gelandet. *bräuchteWirklichDasÄffchenEmoticonHier* 

Noch jemand da?

Wenn Sie schon ALLES VERSUCHT haben und NICHTS HALF, dann haben einige von Ihnen jetzt noch die Chance, Ihre Kiefer-, Kreuz-, Libido-Probleme uvm. durch einen Arzt/Therapeuten lösen zu können, der seinen Schwerpunkt in der ganzheitlichen Betrachtung und eben auch dem ISG-Gelenk hat.

 

Dauerbrenner Beckenschiefstand – Schuheinlagen – Beinlängendifferenz:

Die Reihenfolge in der Überschrift hat durchaus System.

Zuerst sorgt ein blockiertes ISG für einen funktionellen Beckenschiefstand und der damit einhergehenden funktionellen Beinlängendifferenz. Dann empfiehlt ein „unvorsichtiger“ Affe (seit 2010 sind zumindest 4% nachweislich noch in unserer DNA. Sorry.), Nachbar, Freund… Einlagen für die Schuhe, und schon haben wir eine für immer einzementierte Beinlängendifferenz.

Also noch einmal langsam:

95% der Beinlängendifferenzen sind funktionell – das heißt sie haben keine ungleich langen Knochen.

5% haben eine anatomische, in letzter Konsequenz nur radiologisch eindeutig feststellbare, Beinlängendifferenz.

Und nur diese 5% sollten Einlagen tragen. Sollte Ihnen jemand Einlagen einreden wollen ohne radiologisch!!! die anatomische Fehlstellung diagnostiziert zu haben, auf zum nächsten „Experten“. Wenn Sie Glück haben, ist dieser dann tatsächlich einer. Sie wissen jetzt ja, worauf Sie achten müssen.

 

Was bedeutet jetzt also funktionell?

Stellen Sie sich vor, ein Pullover hängt vor Ihnen auf einem Kleiderbügel.

Im rechten Ärmel befindet sich noch der Schal vom letzten Winterausflug.

Nicht überraschend hängt der Kleiderbügel (der Kleiderbügel repräsentiert das Becken) etwas schief und der rechte Ärmel scheint länger zu sein als der linke. Jetzt könnten Sie ein Stück Stoff (im übertragenen Sinne die Schuheinlage) an die linke Seite nähen und somit würde der Pullover optisch wieder „gerade“ sein bzw. zumindest die Ärmel (=Beine) wären wieder gleich lang. Der Kleiderbügel hängt aber nach wie vor schief, ob des Zusatzgewichtes in Form des Schales im rechten Ärmel. Sie haben also optisch einen optimalen Zustand geschaffen (gleich lange Ärmel), aber das eigentliche Problem, den schiefen Kleiderbügel, nicht gelöst. Schlimmer noch -  löst sich der Schal aus dem Ärmel (im übertragenen Sinne, die verspannte Muskulatur), wäre das Grundproblem gelöst, aber leider haben Sie sich die Schuheinlage aufschwatzen lassen und ein künstliches Problem geschaffen. Das wird neuerlich zu Verspannungen führen. Schuld daran: die Einlage!

Problematisch ist vor allem, dass die optische Korrektur keine Veränderung im ISG bringt. Und somit selbst bei kurzfristiger Besserung der Symptome, alle obig beschriebenen Probleme bestehen bleiben oder bald auftreten könnten.

 

Chronisch oder akute Schmerzen: kurzer Exkurs, abseits des ISG.

Die schulmedizinische Abgrenzung, sofern eine scharfe Abgrenzung überhaupt möglich ist, können Sie in Dr. Google in diversen Fachartikeln nachlesen.

Ich möchte Sie aber auf folgende Hinweise sensibilisieren:

Haben Sie seit Monaten, Jahren immer wieder Rückenprobleme. Mal mehr mal weniger. Vielleicht sogar montags heftige Verspannungen, dienstags geht es überraschenderweise deutlich besser, zumindest zur Mitte des Tages und dann wieder der alte Horror usw. Tage und Uhrzeiten sind nicht vorrangig wichtig, sondern das Wechselspiel.

Nachdem sich mein Rücken jahrelang so verhalten hat, musste ich mir doch irgendwann die Frage stellen, ob meine drei Prolapse in der LWS tatsächlich dafür verantwortlich sind. Regelmäßig mittels MRT dokumentiert, war der Befund immer mehr oder weniger schlecht. Mal eine Spur besser, dann wieder ein rezidiver Vorfall usw. Unbefriedigend. Fakt ist, dass meine Bandscheibe am Montag nicht mehr oder weniger auf einen Nerv drückt wie am Dienstag. Die hüpfen da nicht freudig zwischen unseren Wirbeln hin und her. Ergo: Daher muss man wohl zu dem Schluss kommen, dass diese böse Bandscheibe gar nicht für den Schmerz verantwortlich ist. Zumindest nicht für das Wechselspiel. So schnell wechseln kann nur die Spannung im Körper, respektive die Spannung der Muskulatur. Kortisol habe ich doch schon erwähnt, oder? Jetzt könnten Sie den Zusammenhang von Stress-Kortisol-Sympathikus-Muskelspannung-Schmerzen beginnen zu googeln.

Im Zuge dessen werden Sie schon wieder über unsere Vorfahren stolpern. „Fight and Flight“ war ein toller Modus, um dem plötzlich angreifenden Löwen zu entfliehen. 24h/7 Tage die Woche wegen der falschen Berufswahl oder dem falschen Partner o.Ä., im „Tod oder Leben“- Modus zu verbringen, Kortisol durch die Adern pumpend, die überaus wichtige Zehn-Tausendste-„Eskalations-Email“ an die Geschäftsführung zu verfassen, ist aber eher ungesund. „Sich zu viel auf die Schultern laden“, während es einem schon den „Atem abschnürt“, führt nicht nur sprichwörtlich zu einer verkrümmten Wirbelsäule.

Wie zu Beginn meiner Blogartikel ohnehin immer erwähnt, möchte ich an dieser Stelle noch einmal bekräftigen, dass Sie in erster Linie immer eine ärztliche Abklärung machen sollten. Insbesondere bei motorischen und/oder sensorischen Ausfallserscheinungen!

 

Der richtige Ansprechpartner:

Wenn Sie verzweifelt auf der Suche nach Hilfe sind, lege ich Ihnen meine persönliche Strategie ans Herz:

Ihr Ansprechpartner sollte im besten Fall schon bei seinem Webauftritt Offenheit für interdisziplinäres und hollistisches Denken signalisieren. Spätestens beim ersten Gespräch sollten Sie versuchen, ein Gefühl zu bekommen, welche Gebiete sie/er abdeckt. Wissen und Offenheit zu  folgenden Begrifflichkeiten würde ich von meinem Gegenüber erwarten:

ISG-Blockaden – energetische Zusammenhänge (Meridianwissen)

Störfelder (Zähne, Narben, etc.)

Neuraltherapie

Akupressur/Akupunktur

Manualtherapien (Cranio, Shiatsu, Ostepoathie, …)

Darmgesundheit (Mikrobiom)

Aber, ich möchte nur schnelle Hilfe. Reicht nicht eine Spritze?

Ach, Sie schon wieder! Haben Sie sich nicht schon weiter oben aus meinem Blog verabschiedet?

Haben Sie so jemanden gefunden, besteht eine gute Chance, dass er Ihre bis jetzt im Verborgenen gebliebenen ursächlichen Probleme findet und auch erfolgreich therapiert. Obige Aufzählung müssen Sie natürlich keineswegs dazu nutzen, um diese Begriffe zu googeln, um selbst Wissen aufzubauen. Ich empfehle es aber sehr.

Vielleicht schlummert in Ihnen auch schon der nächste geniale Therapeut der Zukunft. Ich möchte dann bitte Ihre Kontaktdaten. Trotz DSGVO. ;)

 

Conclusio:

Das ISG-Gelenk ist nahezu an allen Rückenschmerzen beteiligt. Leider ist die Blockade selbst bei Röntgen/CT/MRT oft nicht zu erkennen. Sie brauchen einen Arzt und/oder Therapeuten, der diese durch verschiedene Techniken erkennen kann. Auch das Lösen der Blockade kann auf verschiedenste Art geschehen. Einige empfehle ich, und haben auch mir immer sehr geholfen, andere sind nur eine Symptombekämpfung und werden, wenn überhaupt, nicht lange zur Lösung Ihres Problems beitragen. Das muss individuell abgeklärt werden.

Vielen Dank für Ihre aufgewendete Zeit. Der „Return on Investment“ sollte Sie ausreichend entschädigen.

 

 

Kraftvolle Grüße

Dipl.Ing.(FH)

Stephan Eitler